Krankheitsfälle bei Achat:schnecken

Leider kommt es auch bei Schnecken zu Krankheitsfällen, die Aufgrund des Alters oder der falschen Haltung, beziehungsweise in dem falschen Umgang mit den Tiere hervorgerufen werden können. Meist enden diese tödlich.
Wenn Du dir nicht sicher bist, ob eines deiner Schnecken von den unten genannten Fällen betroffen ist, kannst Du mich in jedem Fall gern Kontaktieren, am besten mit Fotos und Infos zu deiner Haltung, dann schauen wir zusammen ob man noch was tun kann.

Mantelkollaps:
Der Köper löst sich teilweise oder sogar komplett vom Haus.
Oft passiert dies, wenn man die Schnecken unter den Wasserhahn hält. Was für andere Süß aussieht, ist für die Schnecke purer Stress!
Sie streckt nämlich nicht den Kopf unter den Wasserstrahl, weil sie es so toll findet, nein! sie möchte vor dem herunterkommenden Wasser flüchten. Die Schnecke denkt, dass der Wasserstrahl ein Ast ist, worüber sie sich retten kann. Wenn das Wasser ins Atemloch geriet, kann sie sogar durchaus ersticken! Deshalb nochmal, wie ich es auch schon in dem „Vorbereitung & Einrichtungsbericht“ erwähnt habe, BITTE SCHNECKEN NICHT DUSCHEN!!! Aber auch durch das Abziehen der Schnecke von z.B. der Terrarium Scheibe, kann es zum Mantelkollaps kommen. Wenn nötig, kannst Du die Schnecke nehmen, indem man mit den Fingern unter den Fuß geht und sie so Vorsichtig löst. Niemals am Häuschen ziehen! Sollte deine Schnecke nur noch auf der Seite, mit heraushängendem Fuß liegen und auch nach wenigen Tagen keine Besserung in Sicht sein, solltest Du sie erlösen.

Eingeweidevorfall:
Eine Blase schaut aus dem Mund oder der Geschlechtsöffnung heraus und geht auch nach wenigen Tagen nicht zurück.
Auch hier ist der Auslöser oft das Duschen. Manchmal hat man Glück und die Blase geht wieder weg, aber meistens muss man auch hier, zum Wohle der Schnecke handeln und sie erlösen.

Wachstumsstörung:
Dazu habe ich zwei Beispiele unter Jungtiere genannt. Dies kann natürlich auch bei sub:adulte Schnecken vorkommen.

Parasitären oder Bakteriellen Befall:
Du hast bestimmt auch schon mal von Krankheiten gelesen, die Achat:schnecken übertragen können, oder?
Allerdings kommt es meist nur bei Wildfängen vor, oder natürlich bei den Tieren, die mit Wildfängen in Kontakt waren. Hier wird erklärt,
was man im Umgang mit Achat:schnecken beachten sollte und was man gegen Parasitären oder Bakteriellen Befall machen kann.

Herr Dr. med. vet. Malek J. Hallinger, Geschäftsführer von exomed GmbH, hat mir folgenden Artikel zu Verfügung gestellt.
Nochmal Vielen Dank dafür!

Infektiöse Erkrankungen und deren Diagnose bei Achatschnecken aus Sicht des Tierarztes
Autor: Malek Hallinger, Tierarzt, Zusatzbezeichnung Reptilienkrankheiten,
Geschäftsführer exomed GmbH – Veterinärlabor.

Einleitung

Wirbellose Tiere (Invertebraten) spielen als Haustiere eine immer größer werdende Rolle, hiermit wächst auch für TierärztInnen der Aufgabenbereich immer weiter an und wird zur Herausforderung. Zu den Gastropoden gehören ca. 60.000 Spezies, sowohl terrestrische als auch aquatische Schnecken. Die Große Achatschnecke (Achatina fulica, syn. Lissachatina fulica) spielt als Haustier eine herausragende Rolle und wird immer populärer. Interessant ist, dass sie ursprünglich aus Ostafrika stammt, aber mittlerweile eine weitverbreitete sog. „invasive Spezies“ in Asien, Ozeanien und Amerika ist. Hier konnte Sie sich verbreiten, weil sie als Lebensmittel und als Haustier gehalten wurde. Insofern ist ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Tieren sehr wichtig! Ein Freilassen der Tiere sorgt für ökologische, gesundheitliche und landwirtschaftliche Gefahren und sollte tunlichst unterlassen werden.

Nichtsdestotrotz soll hier ein Fokus auf die Gesunderhaltung von Achatschnecken gelegt werden. Bei Gastropoden, zu denen auch Achatschnecken gehören, sind diverse infektiöse Erkrankungen beschrieben: Unter anderem virale, mikrobiologische (Bakterien und Pilze) und – von besonders großer Bedeutung – parasitäre Erkrankungen. In der tiermedizinischen Fachliteratur werden häufig nur Gastropoden (v.a. Abalonen) behandelt, die entweder der Lebensmittelgewinnung dienen oder von wirtschaftlichem Interesse sind (Perlmuttgewinnung!).

Bakterielle Erkrankungen

Unter bakteriellen Erkrankungen kommen beispielsweise Aeromonaden vor, die bei Achatschnecken sogenannte „leucodermic lesions“, also Hautläsionen verursachen. So kann es zu Aufhellung der Epidermis in den betroffenen Bereichen kommen. Es finden sich Veränderungen häufig am Fuß oder an den Tentakeln. In extremen Fällen kann es auch zur sogenannten „Tuberkelbildung“ kommen. Jedoch fehlen zu anderen Bakterien auf diesem Gebiet, speziell zu Achatschnecken, fundierte wissenschaftliche Daten. Sicherlich lassen sich jedoch Hautveränderungen der Tiere, unserer Erfahrungen zufolge, nicht selten auf eine bakterielle Infektion zurückführen und auch gut mit Antibiotika behandeln.

Parasitäre Erkrankungen

Leider fehlen für Achatschnecken in Deutschland auch hier fundierte wissenschaftliche Daten, um eine Angabe zur Häufigkeit von parasitären Erregern zu geben. Jedoch ist aus persönlicher Erfahrung ein (teilweise dem Halter unbekannter) Befall mit Innenparasiten der Schnecken nicht selten:

Häufige Parasiten bei Achatschnecken sind die sogenannten Rhabditiden: Rhabditella axei, Rhabditis terricola, Cruznema sp. und Pristionchus entomophagus. Diese Würmer (Nematoden) sorgen bei den Tieren für erhebliche Gesundheitsrisiken und können teilweise zu klinischen Symptomen (Durchfall, Anorexie, Gewichtsverlust, Apathie, uvm.) führen.

Wichtig ist zu wissen, dass Achatschnecken als Zwischenwirte für diverse Parasiten/Würmer, die teilweise auch für den Mensch infektiös sind, fungieren können (Aelurostrongylus abstrusus, Angiostrongylus cantonensis, Angiostrongylus costaricensis, Schistosoma mansoni, Hymenolepis spp., und Fasciola hepatica). Besonders erst zu nehmen ist, dass Achtschnecken als Wirte für den auch für den Menschen gefährlichen Ratten-Lungenwurm (Angiostrongylus cantonensis) fungieren, der beim Menschen das Krankheitsbild der „eosinophilen Meningoencephalitis“ hervorruft. Diese parasitär bedingte Hirnhautentzündung wird weltweit durch Achatschnecken verbreitet und spielt zurzeit vor allem eine Rolle in Asien und Amerika. Man nennt die Erkrankung auch Angiostonyliasis: Die Larven des Rattenlungenwurms wandern nach der Infektion in Richtung Zentrales Nervensystem (Rückenmark und Gehirn) und sorgen dort für eine Entzündungsreaktion: betroffene Menschen leiden beispielsweise unter Kopfschmerzen, Nackensteifheit oder Muskelschwäche.

Der natürliche Endwirt von Angiostongylus sind Nagetiere (v.a. Ratten), Mollusken (u.a. Schnecken) fungieren als Zwischenwirte. Schnecken können sich über die Aufnahme von Larven in Rattenkot infizieren, in den Schnecken entwickelt sich dann der Parasit weiter. Leider können auch Menschen und andere Haustiere sich durch Schmierinfektionen (z.B. durch das Essen von mit Schneckenschleim kontaminiertes Gemüse) oder Ingestion von infizierten (ungekochten) Schnecken anstecken. Erkrankungen, die vom Menschen auf das Tier oder umgekehrt übertragbar sind nennt man Zoonosen. Deshalb ist es ungemein wichtig, auch Schnecken die als Haustier gehalten werden regelmäßig parasitologisch untersuchen zu lassen, um das Tier, aber auch sich selbst zu schützen. Bei der Haltung von Achatschnecken sollte die Hygiene großgeschrieben werden (Entsorgen von nicht-gefressenem Futter, Tragen von Handschuhen beim Arbeiten im Terrarium, regelmäßiges Entfernen der Exkremente, usw.), auch wenn der Rattenlungenwurm in Deutschland derzeit noch eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint! Berichte aus Spanien (z.B. Mallorca, Teneriffa) liegen jedoch vor. Besonders zu beachten ist, dass eine infizierte Achatschnecke tausende L3-Larven vom Rattenlungenwurm in sich tragen kann. Von vielen wissenschaftlichen Autoren wird Sie als der Hauptvektor für die weltweite Verbreitung des Rattenlungenwurms angesehen.

Wie untersucht man Achatschnecken auf Krankheitserreger

Prinzipiell können Achatschnecken gut in unserem Labor auf diverse Pathogene untersucht werden. Für die eingesandte Probe erhalten Sie von uns einen veterinärmedizinischen Befund sowie eine Behandlungsempfehlung: Für eine Mikrobiologische Untersuchung (Untersuchung auf Bakterien und Pilze) reicht es beispielsweise einen Abstrich-Tupfer über betroffene Läsionen zu streichen. Zu achten ist darauf, dass es sich um einen sterilen Tupfer mit Medium (sog. AIMES-Medium) handelt. Zur Untersuchung auf Endoparasiten („Innenparasiten“) kann der Kot der Tiere untersucht werden. Die Proben müssen möglichst frei sein von Beimengungen wie Bodensubstrat, Zellstoff, Watte und ähnlichem, da diese Beimengungen die Untersuchungen erschweren oder gar verfälschen können. Die Probe sollte so frisch wie möglich zur Untersuchung gelangen. Um ein Austrocknen der Probe zu verhindern, empfiehlt es sich, wenige Tropfen Leitungswasser zuzufügen und diese in ein „Kotröhrchen“ zu überführen. Eine Kühlung oder Ähnliches ist nicht notwendig, die Proben überstehen problemlos 2-3 Tage in der Post. Es empfiehlt sich, die Tiere während der Vorbereitung auf den Winterschlaf zu untersuchen (März-August), sodass eine adäquate Therapie durchgeführt werden kann und für diese genügend Zeit bleibt. Zu den Untersuchungen auf Ektoparasiten („Außenparasiten“) oder ausgeschiedener Würmer, usw. sollten diese möglichst von der Schnecke abgesammelt und in hochprozentigem Alkohol oder Formalin (4-7 %) konserviert werden. Diese können dann langfristig gelagert werden und auch mit der Post versandt werden.

Für Anfragen zu unserem Angebot und den Einsendemodalitäten steht Ihnen unser Laborpersonal während der Telefonzeiten gerne zur Verfügung, sollten Sie uns nicht erreichen kontaktieren Sie uns gerne per Mail: Montag bis Freitag: 9:00 – 14:00 Uhr; Telefon: +49 30 51067701; E-Mail: info@exomed.de

 

Quellen:

BARRATT, J. et al. (2016). Angiostrongylus cantonensis: A review of its distribution, molecular biology and clinical significance as a human pathogen. Parasitology, 143(9), 1087-1118. doi:10.1017/S0031182016000652

Roxanna Smolowitz In: Invertebrate Medicine. Ed: Gregory A. Lewbart. Chapter 6 Gastropods. P. 101-107

Graeff-Teixeira C, da Silva AC, Yoshimura K. Update on eosinophilic meningoencephalitis and its clinical relevance. Clin Microbiol Rev. 2009;22(2):322–348. doi:10.1128/CMR.00044-08

Willard W. Dean, Albert R. Mead, William T. Northey,Aeromonas liquefaciens in the giant African snail, Achatina fulica, Journal of Invertebrate Pathology,Volume 16, Issue 3,1970,Pages 346-351,ISSN 0022-2011,https://doi.org/10.1016/0022-2011(70)90150-3.

Carlos Graeff-Teixeira, Expansion of Achatina fulica in Brazil and potential increased risk for angiostrongyliasis, Transactions of The Royal Society of Tropical Medicine and Hygiene, Volume 101, Issue 8, August 2007, Pages 743–744, https://doi.org/10.1016/j.trstmh.2007.03.012

Thiengo SC, Simões Rde O, Fernandez MA, Maldonado A Jr. Angiostrongylus cantonensis and rat lungworm disease in Brazil. Hawaii J Med Public Health. 2013;72(6 Suppl 2):18–22.

d’Ovidio Dario, Nermut Jirí, Adami Chiara, Santoro Mario Occurrence of Rhabditid Nematodes in the Pet Giant African Land Snails (Achatina fulica)  Frontiers in Veterinary Science 6;2019;88  URL=https://www.frontiersin.org/article/10.3389/fvets.2019.00088 DOI=10.3389/fvets.2019.00088

Kontakt:
exomed GmbH
Veterinärlabor

Firmensitz:
Schönhauser Str. 62
13127 Berlin
Germany

Telefon: +49 30 51067701
Fax: +49 30 51067702

E-Mail: info@exomed.de